Mensch und Bär

Die Doppelnatur des Bären
Alle Berichte über die Bärennatur, erzählen von der Doppelnatur des Bären. Von seiner Gelassenheit, einer Gutmütigkeit die er meistens zur Schau trägt. Wird er aber gestört, aufgeschreckt oder plötzlich angegriffen, dann kommt seine andere Seite zum Vorschein. Dann richtet er sich auf und wird wild und gefährlich, stellt sich aufrecht dem Kampf. So wird der vierbeinige Pflanzenfresser zum zweibeinigen, wilden Raubtier. Der Bär richtet sein Verhalten ganz nach den jeweiligen Umständen aus, sodass er zutraulich oder eher vorsichtig ist, je nach der Erfahrung die er gemacht hat. Die Bären sind Dämmerung und Nachtaktiv, können aber auch am Tag überall angetroffen werde. Der Bär meidet den Menschen, aber er hat keine Angst vor ihm.

Die jungen Bären sind in vieler Hinsicht noch menschenähnlicher als die erwachsenen Bären. Sie tollen, zanken und spielen wie Menschenkinder. Ist es wohl deshalb, dass der Teddybär zu einem beliebten Spielzeug der Menschenkinder geworden ist? Weil der Bär nicht gezähmt wurde, haben wir ihn uns nach- und abgebildet und so zum Begleiter unserer Kinder gemacht.

Bärenkult, Bärenfest, Bärenzeremonie
Eine Jahrzehntausende alte Religiös kultische Verehrung des Bären. Trotz manchen regionalen Abweichungen, haben diese Praktiken und Riten über die gesamte zirkumpolare Zone, von Skandinavien über Sibirien bis nach Nordamerika eine erstaunliche Einheitlichkeit und Übereinstimmung. Eine komplexe Zeremonie rund um die Jagd und Tötung des Bären. Rituale in denen dem Bären eine besondere Verehrung zukommt. Für viele Naturvölker ist der Bär kein bloßes Tier, unter seinem Fell verbigt sich ein göttliches Wesen. Durch sein menschenähnliches Auftreten und Verhalten wurde der Herr des Waldes, in vielen Kulturen als Vorfahre des Menschen, aber auch als Wesen einer höheren Ordnung angenommen. Der Bärenkult umfasst verschiedene spezielle rituelle Handlungen, Lieder und Darbietungen bei der Bärenjagd. Dem Bärenschmaus und der feierlichen Beisetzung der Bärenknochen, damit er eines Tages wieder auferstehen könne. Nichts durfte vom Bären verlorengehen oder verschwendet werden.

Der Tod eines Bären bedeutete stets ein großes, oft gefährliches Ereignis. Die Jagd auf Bären musste deshalb unter Beachtung zahlreicher Riten und Zeremonien durchgeführt werden, wobei er wie ein Mensch angesprochen und behandelt wurde. Nie durfte über ihn direkt gesprochen werden. Nur in Umschreibungen, mit Begriffen wie Väterchen, Alter Mann oder Ähnlichem durfte über ihn gesprochen werden. Besonders bei der Jagd und ihrer Vorbereitung musste dies unbedingt beachtet werden. Trotz seiner ausgeprägten Individualität ist der Bär innig verbunden mit seiner Gruppenseele, mit dem großen Bärengeist, mit der Natur. So ist er wie ein Vermittler zwischen den Welten. für viele Nordamerikanische und Sibirische Völker ist der Bär ein Mittler zwischen Himmelsgott und der Erdgöttin. Der Bär, das Tier der Erde und der Höhlen ist der Erdgöttin und der fruchtbaren weiblichen Sphäre zugeordnet. Die Bärin ist das Sinnbild der Erde, mit der sie in Ihrem Rhythmus der Jahreszeiten lebt.
